Elternberatung Jennifer Morán  
Elterssein heißt, Fragen zu haben und Antworten zu finden
 

Hilfe, mein Kind will nicht mehr in die Betreuung!


Nein, ich will da nicht hin.“ – viele Eltern kennen diesen Satz. Selbst nach einer gelungenen Eingewöhnung gibt es Phasen, in denen Kindern der Abschied schwerfällt und Tränen fließen. Kurzzeitige Unlust oder einzelne schwierige Tage sind normal. Häufig helfen schon kleine Maßnahmen, damit Kinder wieder gerne in die Kita oder Tagespflege gehen.





Warum lehnt mein Kind die Betreuung ab – und wie unterstütze ich es dabei, diese Phase zu überwinden? 

Viele Gründe können dazu führen, dass Kinder plötzlich nicht mehr in die Betreuung möchten. Die folgenden Auslöser treten besonders häufig auf:


1. Müdigkeit, Infekte oder Erschöpfung

Zu wenig Schlaf oder ein beginnender Infekt können den Kita-Alltag erschweren. Achten Sie auf ausreichend Ruhe und entspannte Morgenroutinen. Kürzere Betreuungstage oder freie Tage – sofern möglich – helfen beim Auftanken.


2. Lärm, Unruhe oder Veränderungen in der Kita oder Krippe
Ein voller Tagesablauf, neue Bezugspersonen oder laute Situationen können Stress auslösen. Sprechen Sie mit der Kita über ruhigere Übergänge oder Rückzugsmöglichkeiten.


3. Spannende Ereignisse zuhause
Neue Spielsachen, Besuch oder besondere Ereignisse können die Kita unattraktiv erscheinen lassen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was es später nachholen kann.

4. Entwicklungsphasen
Kinder durchlaufen immer wieder Phasen, in denen sie sensibler und weniger belastbar sind. Entlasten Sie den Alltag und schaffen Sie zusätzliche Ruhezeiten

.
5. Konflikte oder Unsicherheiten in der Betreuung
Wiederkehrende Konflikte mit anderen Kindern oder strenge Fachkräfte können verunsichern. Ein offenes Gespräch mit der Kita hilft, die Situation zu klären.


6. Veränderungen in der Familie
Ein Geschwisterchen, Umzug oder familiärer Stress wirken sich oft auf den Kita-Alltag aus. Verlässliche Routinen und exklusive Zeiten nur für Ihr Kind geben Halt.


7. Trennungsangst oder starkes Nähebedürfnis
Ein liebevolles Abschiedsritual und ein stressfreier Morgen unterstützen Ihr Kind. Bei anhaltend starker Trennungsangst lohnt sich ein genauer Blick auf mögliche Ursachen.

Was Sie außerdem tun können:

  • Die Gefühle Ihres Kindes ernst nehmen
  • Gemeinsam den Blick auf Positives richten, ohne die vorhandene Ablehnung zu negieren
  • Übergänge ruhig und stressfrei gestalten
  • Ein Übergangsobjekt wie ein Kuscheltier kann Sicherheit geben
  • Unterstützende Strategien mit der Betreuung besprechen und diese gemeinsam umsetzen
  • Zuhause für Nähe, Ruhe und Entspannung sorgen.


Diese Maßnahmen, genau wie die Strategien für die Eingewöhnung, stärken das Sicherheitsgefühl Ihres Kindes und erleichtern den Abschied. 



Normale Trennungsangst oder Trennungsangststörung?


Trennungsangst ist in den ersten Lebensjahren ein natürlicher Teil der Entwicklung. Einfühlsame Übergänge helfen Kindern, Vertrauen aufzubauen. Ein kurzer  und gelegentlicher Abschiedsschmerz ist normal, solange er rasch abklingt.


Eine emotionale Störung mit Trennungsangst (ICD 10) zeigt sich dagegen durch:


  • ungewöhnlich starke Angst
  • lange Dauer über die Altersstufe hinaus
  • deutliche Beeinträchtigungen im Alltag


Die Ursachen können vielfältig sein – von Stress in der Betreuung über familiäre Veränderungen bis hin zu belastenden Ereignissen.



Wann Sie besonders aufmerksam werden sollten

Tritt trotz vieler Maßnahmen keine Veränderung ein, seien Sie besonders achtsam, wenn Ihr Kind:

  • weiterhin morgens weint und/oder fortdauernd Widerstände gegenüber der Betreuung zeigt
  • anhaltend traurig, ängstlich, ungewöhnlich still oder  zurückgezogen wirkt
  • starke oder plötzliche Verhaltensänderungen zeigt
  • häufig über Bauch- oder Kopfschmerzen klagt
  • Angst vor bestimmten Personen oder Situationen äußert
  • ungewöhnlich aufgedrehtn oder aggressiv wirkt.

Diese Signale können auf eine starke Überlastung hinweisen.



Hartnäckige Kita-Angst: Was jetzt wichtig ist


  • Eine Pause kann zeigen, ob Ihr Kind Erholung braucht.
  • Beobachten und dokumentieren Sie Bring- und Abholsituationen,  um ein besseres Gefühl für die Dynamik zu bekommen.
  • Suchen Sie erneut das Gespräch mit Fachkräften oder der Leitung.
  • Drängen Sie Ihr Kind nicht, sondern bleiben Sie offen für seine Gefühle und Äußerungen.
  • Beratungsstellen oder kinder- und jugendmedizinische Praxen können Orientierung geben und unterstützen.
  • Bei massiven Ängsten kann eine Auszeit sowie eine Neuorientierung nötig werden.


Anders als gelegentlicher Alltagsstress kann chronischer Stress die Entwicklung beeinträchtigen. Je früher Ihr Kind sich wieder in einer sicheren, stressfreien Situation befindet, desto stabiler kann es sich entwickeln.


Zum Schluss


Verhaltensveränderungen gehören zur kindlichen Entwicklung dazu. Wichtig ist, aufmerksam zu bleiben, Ihrem Kind Halt zu geben und auf Ihr Gefühl zu vertrauen. Mit Geduld, Nähe und einem offenen Blick für die Bedürfnisse Ihres Kindes lassen sich Phasen der Kitablehnung in den meisten Fällen gut begleiten.