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Die Eingewöhnung vorbereiten und begleiten


Es ist so weit! Ihr Kind kommt in die Krippe, Kindertagespflege oder Kita! Eine neue bunte Welt wartet! Aber zum Schutz vor Stress und Überforderung ist ein sanfter Übergang in die Betreuung wichtig!


Kindertagespflegestellen sowie Krippen und Kindergärten greifen deshalb auf Eingewöhnungsverfahren zurück.

Das Münchener Eingewöhnungsmodell, das Berliner Eingewöhnungsmodell und das Tübinger Modell der Eingewöhnung in der Peer strukturieren jeweils den Prozess der Eingewöhnung und ermöglichen einen gleitenden Übergang in die Betreuung.
Der Aspekt der Bindung spielt bei allen Modellen eine wichtige Rolle. Entwickelt wurden die Eingewöhnungskonzepte vornehmlich für den U3-Bereich, finden aber in angepasster Form genauso Anwendung bei Kita-Neuaufnahmen.


Wie Sie die Eingewöhnung in sechs Schritten optimal  begleiten, erfahren Sie weiter unten.





Das Münchener Eingewöhnungsmodell
– so funktioniert es

Das fünfphasige Münchener Modell ist zeitlich nach dem Berliner Eingewöhnungskonzept entstanden. Kindern, Eltern und Einrichtung nehmen eine aktive Rolle im Eingewöhnungsprozess ein. Ernst genommen wird vor allem die Tatsache, dass mit dem Eintritt in die Betreuung ein Übergang in einen neuen Lebensabschnitt verbunden ist. Dieser Übergang ist für die Familienmitglieder mit unterschiedlichen Unsicherheiten und Sorgen verbunden.


Durch das Schaffen von Sicherheit und Vertrauen kann dieser Übergangsprozess leichter bewältigt werden. Eltern und Erzieher:innen arbeiten von Anfang an eng und partnerschaftlich zusammen. Sie lernen sich kennen und tauschen sich ausführlich über das Kind und den Eingewöhnungsprozess aus. Während der Eingewöhnung bleibt ein Elternteil anfangs immer beim Kind. Das Kind lernt die betreuende Fachkraft und die Kinder im Beisein der Eltern kennen. Es erlebt durch das Zusammensein mit der Kindergruppe das Prinzip Krippe oder Tagespflege. So gewinnt es im Laufe der Eingewöhnung an Sicherheit. Am Spiel und an der Pflege nimmt immer häufiger die Fachkraft teil. Die Bezugskraft löst den Elternteil, der sich nun bewusst zurücknimmt, ab – und zwar bis das Kind alleine in der Gruppe bleibt. Während der Eingewöhnung stehen Eltern und Fachkraft im Austausch und reflektieren abschließend die Eingewöhnung und das Ankommen in der Einrichtung.




Der Klassiker – das Berliner Eingewöhnungsmodell


Das Berliner Modell, das sich in eine vorbereitende informative Phase, eine vertrauensstiftende Grundphase, in die Phase erster Trennungsversuche sowie in eine Stabilisierungs- und eine Abschlussphase gliedert, arbeitet etwas anders als das Münchener Modell. Auch hier wird das Kind, das stundenweise die Einrichtung besucht, von den Eltern begleitet.


Die Eltern nehmen sich allerdings von Anfang an eher zurück und der Gruppe kommt ein weniger aktiver Part zu. Außerdem finden bereits wenige Tage nach Beginn der Eingewöhnung mehrminütige Trennungen statt, vorausgesetzt das Kind akzeptiert diese. Das sieht dann folgendermaßen aus: Die Fachkraft wendet sich aktiv dem Kind zu, so dass es nach und nach Vertrauen gewinnt. Wenn das Kind die Bezugskraft annimmt und sich interessiert mit etwas beschäftigt, verlässt der Elternteil versuchsweise kurz die Gruppe. Im nächsten Schritt werden die Trennungsphasen länger und der Elternteil hält sich nun außerhalb der Einrichtung auf.


Abgeschlossen ist die Eingewöhnung, wenn das Kind seinen Tag ohne Eltern in der Tagespflege oder Krippe meistert. Die Eltern sind und bleiben selbstverständlich immer erreichbar.



Eingewöhnung in der Peer
– das Tübinger Modell


Das Modell von Heike Fink orientiert sich am Berliner Model. Allerdings findet die Eingewöhnung in der Peergroup statt. Das bedeutet, dass eine Kleingruppe von bis zu vier Krippen- oder bis zu fünf Kita-Kindern die Eingewöhnung außerhalb der bestehenden Gruppe zusammen durchläuft.


Die Gruppe wird von Fachkräften geleitet und von den Eltern begleitet. Nach wenigen Tagen verabschieden sich die Eltern anfangs für kurze, später für längere Zeit von ihrem Kind.


Außerdem findet ab der zweiten Woche ein sanftes Überwechseln in die Gesamtgruppe und den regulären Betreuungsalltag statt. Beendet ist die Eingewöhnung, wenn alle Kinder der Kleingruppe sicher in ihrer Gesamtgruppe angekommen sind. Übrigens: Dass die Kinder die Fachkraft als Handelnde in der Gruppe erleben, erleichtert den Bindungsaufbau. Und die Kleingruppe selbst bietet Sicherheit.









Die Eingewöhnung begleiten

Natürlich können auch Sie einiges für eine entspannte Eingewöhnung tun. Mit diesen sechs Tipps unterstützen Sie Ihr Kind optimal:




1. Vorbereitung

Nehmen Sie die Angebote der Betreuung zur Vorbereitung auf den Betreuungsstart, wie Hospitationen oder Schnupperstunden, wahr. So lernt Ihr Kind seine Betreuung stressfrei kennen und die Vorfreude kann wachsen.


Natürlich können Sie auch regelmäßig an der Kindertagesstätte oder Pflegestelle mit Ihrem Kind vorbeigehen oder Kontakte zu Familien knüpfen, deren Kinder diese Betreuung besuchen. Tipp: Es gibt im Buchhandel wunderbare Kinderbücher zum Thema Betreuungsstart.

 2. Wertschätzung und gute Zusammenarbeit

Eine wertschätzende Haltung der Betreuungskraft gegenüber vermittelt ihrem Kind Sicherheit.


Der ausführliche und kontinuierliche Austausch darüber, was Ihr Kind an Unterstützung durch Sie und die Fachkräfte benötigt ist notwendig. So bereiten Sie ihrem Kind gemeinsam als Bildungs- und Erziehungspartner:innen einen guten Weg in die Betreuung.

3. Stressfreie Zeit

Planen Sie nach Möglichkeit ausreichend Zeit für die Eingewöhnung ein.


Eine entspannte Frei- und Familienzeit kann die Eingewöhnung unterstützen, da sie Sicherheit vermittelt und für Erholung sorgt.



4. Sicherheit

Eine sichere Bindung erleichtert Ihrem Kind das Loslassen.

Ist Ihr Kind sicher gebunden, ist es trotz möglichen Abschiedsschmerzes sicher, dass Sie wiederkommen.


Ganz entscheidend ist übrigens, dass Sie sich immer von Ihrem Kind verabschieden! Meistens ist eine kurze und liebevolle Verabschiedung optimal.



5. Jeden Schritt würdigen

Bedenken Sie, dass der Eintritt in die Betreuung für Ihr Kind anstrengend sein kann!


Es muss viele Eindrücke verarbeiten und macht neue Erfahrungen. Würdigen Sie die Fortschritte, die Ihr Kind beim Loslösen und Ankommen macht, auch wenn diese klein sind. Würdigung kann sich in Form freudiger (stillschweigender oder ausgesprochener) Anteilnahme äußern.


6. Achtsamer Umgang mit Schwierigkeiten

Seien Sie achtsam und nehmen Sie die Reaktionen und Äußerungen Ihres Kindes wahr und ernst. Bewerten Sie diese gegenüber Ihrem Kind nicht. Es darf so fühlen wie es fühlt und es darf Abschiedsschmerz haben! Aber Ihr Kind sollte grundsätzlich gerne die Betreuung besuchen! Und es sollte nach einem tränenreichen Abschied von den Fachkräften getröstet werden und sich schnell beruhigen!


Bei starkem oder anhaltemden Trennungsschmerz und bei Angst, oder wenn Ihr Kind die Betreuung ablehnt, suchen Sie das Gespräch mit den Fachkräften. Gemeinsam können Sie überlegen, wie Sie die Stressbelastung für Ihr Kind reduzieren und ihm ein sicheres Ankommen in der Betreuung ermöglichen. Mitunter ist auch der Blick auf eine Betreuungsalternative sinnvoll.


Gestaltet sich die Eingewöhnung Ihres Kindes schwierig oder besucht Ihr Kind ungerne die Betreuung? Dann stehe ich gerne beratend und prozessbegleitend zur Verfügung.

Mehr Infos rund um Bindung, Eingewöhnung und den Umgang mit Eingewöhnungsschwierigkeiten finden Sie außerdem im Handbuch:

 „Hallo Krippe, Kita und Co, endlich sind wir da. Wie Sie Ihr Kind bei seiner Eingewöhnung unterstützen und mögliche Schwierigkeiten sicher meistern"



Zum Weiterlesen: Bindung

Bindung ist elementar für die gesunde kindliche Entwicklung. Der Begriff der Bindung wurde vom Bindungsforscher John Bowlby geprägt. Bindung meint die Verbundenheit eines Kindes mit seinen engsten Betreuungspersonen, in der Regel den Eltern. Mit zunehmendem Alter baut das Kind zu weiteren Menschen eine Bindung auf. Für die Entwicklung einer sicheren Bindung ist das liebevolle, verlässliche und einfühlsame Verhalten der Bezugsperson wichtig. Die sichere Bindung ist die beste Basis für erste vertrauensvolle, neugierige Schritte ins

Leben. Neben der sicheren Bindung gibt es weitere Bindungsstile. Hierzu zählen der unsicher-ambivalente, der unsicher-vermeidende und der desorganisierte Bindungsstil. Bindungsstile sind nicht statisch sondern durch neue Erfahrungen veränderbar.